Wenn der Partner bereits ein Kind hat 

Mein Freund hat einen Sohn. Wenn man sich vorher nie mit dem Gedanken beschäftigt hat, das man sozusagen eines Tages mal eine Stiefmama werden könnte, muss man diese Information erstmal verdauen. So war es zumindest bei mir. 

Bevor ich meinen Freund kannte, war für mich klar: ich möchte ungern eine Beziehung mit jemandem, der schon Kinder hat. Das hatte verschiedene Gründe: gemeinsam mit einem Partner Kinder zu zeugen, das bedeutet in meinem Kopf die pure Liebe zwischen zwei Menschen. Ein Kind bindet für immer aneinander. Ständig müsste ich mir die Frage stellen, liebt er die Mutter seines Kindes vielleicht noch? Entscheidet man sich einiges Tages, trotz aller Differenzen dazu, es noch einmal miteinander zu versuchen? Für das Kind? Bekanntlich meinen ja einige Menschen, man müsse zusammen sein als Mama und Papa, weil es für das Kind das beste ist. 

Aber noch viel schlimmer und warum ich das nie wollte: da wäre eine Frau die meinem Freund etwas gegeben hat, was er von mir nicht hat. Neues Leben, das Produkt der liebe, das größte Geschenk auf der Welt. Die Erfahrung schweißt zusammen. Der Tag an dem du zum ersten Mal Mama / Papa wirst. Die Reise dahin. Die Liebe zu dem Kind. Wenn ich mit meinem Freund eines Tages Kinder bekomme, hätte er es schon einmal erlebt. Er hätte das Geschenk bereits einmal erhalten. Er weiß wie man ein Papa ist, er hat diese Erfahrung bereits mit einer anderen Frau geteilt. Nein, so etwas wollte ich nicht. Ich wollte die einzige und erste Frau sein, die das mit meinem Freund teilt, wenn es soweit wäre. Das war meine Einstellung wenn man mich, bevor ich meinen Freund kannte, gefragt hätte, was ich zu dem Thema denke. 

Damals hätte ich mir noch nicht vorstellen können, dass jemand so offen damit umgeht, dass ich sehr gut damit klarkommen würde. Der Sohn meines Freundes ist 7 Jahre alt. Und sein ein und alles. Warum ich damit umgehen kann und von Anfang an kein Problem damit hatte? Wegen der Art und Weise, wie mein Freund damit umgeht. Er und ich reden sehr viel. Wir diskutieren alles aus, wir versuchen den anderen immer zu verstehen. Von Anfang an war er sehr offen und transparent mit dem Thema. Und das wichtigste, er hat nie ein Geheimnis daraus gemacht wie er und die Mutter seines Kindes miteinander umgehen, was sie für Ein Verhältnis haben und wie sie als Eltern funktionieren. 

Wir haben auch bis heute nie aufgehört darüber zu sprechen. Wir reden ständig darüber. Selbstverständlich ist sein Sohn ein fester Bestandteil seines täglichen Lebens und somit auch meines. 

Wenn mir diesbezüglich etwas auf der Seele liegt, sprechen wir darüber, wenn ich Fragen habe, sprechen wir darüber. Und es gibt nichts, was unbeantwortet bleibt oder wo mich mein Freund nicht mit einbezieht. Aber auch die Liebe und das Verständnis, das wir uns entgegenbringen trägt einen großen Teil dazu bei. 

Ja ich Hatte sehr viele Fragen, besonders am Anfang. Und ja ich hatte Bedenken, aber mein Freund hat mir das alles abgenommen und tut es noch, jeden Tag. 

Auf dieser Reise mit ihm habe ich besonders eines realisiert: ohne seine Vergangenheit, ohne seinen Sohn, ohne diese Erfahrung, wäre mein Freund nicht der Mann, der er heute ist. Der Fakt das er Vater ist, und alles was er sich entschieden hat für diesen kleinen Menschen zu tun, ist einer der größten Gründe warum ich ihn liebe und als Menschen schätze. 

Mein Freund hat mir von seiner Reise als Papa erzählt, natürlich. Und einer der vielen Dinge die ich nie vergessen werde waren die Worte: das Leben erfüllt einem nicht immer alle wünsche genauso, wie wir sie uns vorgestellt haben, manchmal bekommen wir Geschenke, aber anders verpackt, als wir es erwartet haben. Dennoch ist es ein Geschenk. Und da ist mir klar geworden, das nicht nur er sein Geschenk anders bekommen hat als erwartet, sondern auch ich. 

Wir werden noch einige challenges bewältigen müssen, mein Freund und ich. Aber ich habe keine Zweifel daran, das wir das meistern werden, wie alles andere auch.