Trinidad Teil 2 – von Salsa, Haien, Doubles und einer turbulenten Achterbahnfahrt

Call on me and I’ll be there for you, and you’ll be there for me. Forever it’s you, forever in me, ever the same.

Rob Thomas – ever the same. Dieses Lied spielt im Radio als kevon und ich schweigend im Auto auf dem Weg zum Flughafen sitzen. Ich starre in den blauen Himmel, die Sonne geht gerade auf denn es ist noch sehr früh am Morgen. Als ich realisiere wie gut der Song gerade passt muss ich fast laut lachen über die Ironie. Stattdessen grinse ich in mich hinein und rolle innerlich die Augen, das geht an dich, Universum. Du hattest dir also für diesen Tag auch noch einen Soundtrack ausgedacht. Toll. Nun gut, soll mir recht sein. Ich Mags eh wie im Liebesfilm. Du kennst mich halt zu gut.

Immer wenn ich mich von meinem Freund verabschieden muss, werd ich ganz still. Was soll ich schon groß sagen. Ich bin traurig. Stattdessen starre ich nur in die Ferne. Mein Freund macht das selbe. Zwischendurch legt er seine Hand auf mein Knie. Wie zum Trost, eine schöne Geste. Und mehr brauche ich in dem Moment auch garnicht. Und so sitzen wir schweigend nebeneinander im Auto. Während mich der Songtext aus Rob Thomas’ ever the same zum Schmunzeln bringt und mir gleichzeitig Tränen in die Augen treibt.

Aber zurück zu vor zwei Wochen. Als Kevon und ich noch zwei wunderschöne Wochen vor uns hatten und ich an Tag eins meine Augen im Bett Aufschlage. Ok ein Auge. Es war eins. Ich musste mich erstmal orientieren.

Kevon knöpft gerade sein Hemd zu, steht vorm Spiegel und greift nach seiner Uhr. Wie er aufgestanden und duschen gegangen ist hatte ich wohl verpasst. Ich beobachte wie er sich Anzieht, jedes Teil einzeln. Wie er seine Krawatte bindet und gerade rückt. Als letztes greift er immer nach seinem Parfüm, sprüht sich ein, fährt sich mit einem kritischen Blick über den Bart, schaut sich nochmal im Zimmer um und denkt offensichtlich darüber nach, ob er noch irgendwas vergessen hat. Ich mache schnell meine Augen zu, weil ich weiß was als nächstes kommt. Er kommt zum Bett rüber, beugt sich zu mir runter und sein unheimlich toller Duft steigt mir in die Nase. Er drückt seine Lippen auf meine, ich mache wieder ein Auge auf und küsse ihn. Er sagt: “gonna leave now baby, I love you”. Als er sich zurück ziehen will Schlinge ich nochmal schnell meinen Arm um seinen Hals, um ihn etwas länger bei mir zu halten, und er umarmt mich. Dann verlässt er das Zimmer und ich schlafe seelisch grinsend wieder ein. So machen wir das die nächsten 14 Tage. Jeden Morgen. Und jeden Morgen beobachte ich ihn dabei wie er sich anzieht. Außer an den Wochenenden, da bleibt er neben mir liegen.

In den folgenden Tagen darauf, wenn Kevon bei der Arbeit angekommen ist, schreiben wir. Genauso wie sonst auch. Wenn ich in Deutschland bin und er in Trinidad und uns 8000 Kilometer trennen. Mit dem einzigen Unterschied das er nachmittags zu mir nach Hause zurück kommt und ich ihn in Fleisch und Blut begrüßen darf. Wir planen unsere Tage. Er schreibt mir, was er für den Tag geplant hat, was ich davon halte, ob ich Lust habe und ob mir die Idee gefällt. Alles gefällt mir. Die Tage vergehen und wir füllen Sie mit Erinnerungen, gemeinsamer kostbarer Zeit und viel viel Spaß. Sowas wie Alltag. Einfach alles macht Spaß, sogar einkaufen gehen:

Salsa und bachata:

Jeden Mittwoch geht kevon zum Salsa und Bachata tanzen. ich war total aufgeregt. Er hat viele Freunde dort, hoffentlich blamiere ich mich nicht hab ich nur gedacht. Ich hatte ja noch nie Salsa getanzt. Außer in meinem Wohnzimmer, da hatte er mir die Basics gezeigt und wir haben zu tausenden von Salsa Songs getanzt. In Unterwäsche. und mit Wein hatte ich mir vorher Mut angetrunken. Das hatte Spaß gemacht. Diesmal hatte ich aber high heels and und würde vor sehr vielen Menschen tanzen müssen. Nach dem Kurs kann ich sagen Bachata gefällt mir besser. Das ist sinnlicher und erinnert mich mehr an kompa, das was wir auf haiti tanzen. Ich gehe also mit ihm dahin und oh man war ich stolz, als ich dann am Ende die kleine erlernte Choreografie einwandfrei mit ihm getanzt hatte. Ein check mehr auf meiner bucket list, ich wollte schon immer Latein Tanzen lernen. Ein wirklich toller Abend. Den Mittwoch darauf sind wir wieder hin. Und ich würde immer wieder mitkommen wenn ich dort bin.

Doubles:

Doubles ist eine traditionell trinidische Spezialität. Was zu essen. Ja genau haha. Ein imbiss sozusagen. Das sind zwei kleine Mini Fladenbrote auf die eine Erbsenpampe mit ganz viel Curry geschlagen wird und dann wird das ganze zusammen gerollt und in ein Papierchen gewickelt und wie man das dann essen soll wusste ich auch nicht. Das kauft man auf der Straße. Zum Beispiel wenn man gerade bis 1 Uhr nachts Salsa tanzen war und einen Bären Hunger hat. So auf dem Weg nach Hause. Essen von der Straße ? Street food? Ich? Ähm… erstmal genau hinterfragen wer das gekocht hat und was da genau drin ist. Wir halten also mitten auf der Straße an und ich entdecke einen kleinen mobilen Imbissstand mit einem farbigen einheimischen dahinter, der unter einem Plastik Schirm steht, der über das mobile Ständchen gespannt ist. Ich greife nach Kevons Hand, der zielstrebig auf den Stand zugeht. Die beiden reden irgendwas und ich werde was gefragt was ich nicht verstehe, ich mache nur große Augen und sage: ähhhhh. Da knallt der Typ schon die pampe auf die Fladenbrote und dreht das Ding in Windeseile mit einer Technik in Papier ein. Die Frage war wohl ob ich scharf wollte. Mein Freund hatte schon geantwortet. Wollte ich nicht. Der Typ macht nun also die doubles für Kevon und Knallt die Pampe mit geübten griffen auf die Brote und ich steh nur da mit offenem Mund und großen Augen und überlege wie schlimm ich es jetzt fände, wenn ich heute Nacht kotzen würde weil ich mir den Magen an Street Food in Trinidad verdorben hatte. Vielleicht konnte ich das Ding ja unbemerkt loswerden. Ausm Fenster schmeißen oder so. Der Typ ist fertig mit Pampe klatschen und drückt mir eine heisse Tüte in die Hand. Ich löse meine Hand wiederwillig von der meines Freundes und nehme die Tüte. Erst da bemerke ich das neben mir ein Auto parkt dessen Tür in dem Moment aufgeht und ein junger weiterer einheimischer Kerl aussteigt. Mein Freund dreht sich um und zückt seine Geldbörse. Er drückt dem Typ Scheine ihn die Hand und er steigt wieder ins Auto ein. Ich steh nur daneben und denk mir: scheisse. Haben die grade gedealt oder was? Wehe der Typ hat mir was untergejubelt (Hat er natürlich nicht. Ich habe halt eine blühende Fantasie und bin von Natur aus skeptisch) Ich Wiederstehe kurz dem Drang die Tüte fallen zu lassen und Dackel meinem Freund brav zum Auto zurück hinterher. Auf high heels ziemlich schwer und holprig, ich tippel also etwas schneller und spüre meinen Magen grummeln. Zurück im Auto liegt die heiße Tüte auf meinem Schoß. Wir machen uns auf den Weg nach Hause. Nach ein paar Minuten guckt Kevon mich erwartungsvoll an. ” go ahead babe!” Ich mach grosse Augen und sage ” are you SURE I can eat this ??” Er lacht und antwortet: “I’m positive!” . Ich greife also widerwillig in die heiße Tüte und hole so ein Double da raus. Scheiss drauf, sei doch mal richtig krass und ess Street Food. Sei nicht so ein schisser, sag ich mir. Ein paar Minuten später hab ich die Mundwinkel voll mit Erbsen Curry Pampe und meine Finger auch, und bereue es das ich nicht zwei genommen habe.

Bake and shark:

Eine weitere trinidadische Spezialität ist bake and Shark. Das bekommt man am Strand und ist hai. Richtig gehört. Gebackenes Haifleisch. In allen Formen. Mit Pommes. Oder als Brötchen mit Salat dazu. Ich ess doch wohl kein hai! Hab ich am Ende doch. Genau wie die doubles. Normalerweise bin ich ein Hähnchen Liebhaber. Ich liebe Hähnchen und Lachs. Das kenn ich, da beweg ich mich in bekannten Gewässern. Buchstäblich! Ha! Aber Hai? Ich war sehr skeptisch. Kevon hat mir dann am Strand Pommes und bake and shark geholt. Ich hab dann erstmal ganz vorsichtig ein kleines Stückchen abgebissen und mich langsam rangetastet. Und was soll ich sagen: es schmeckt Bombe! Es schmeckt nicht ein bisschen nach Fisch sondern ganz zart und eigentlich eher wie Hähnchen oder so. Ich konnte nicht genug davon bekommen.

Ich könnte noch soviele andere Dinge erzählen die wir gemacht haben während unserer Zeit in Trinidad, aber ich wollte euch in diesem blogpost insbesondere einmal ein paar typisch trinidadische Dinge näher bringen und meine Erfahrungen mit euch teilen.

Trinidad ist eine tolle Insel mit sehr viel Charme und auch die Menschen dort sind mir bisher immer sehr positiv und Freundlich begegnet.

Und jetzt sehe ich den Flughafen und weiß das ich gleich aus dem Auto aussteigen muss. Mein Freund holt uns unseren Lieblings moccachino und wir setzen uns hin. Als es Zeit ist für mich zu gehen umarme ich ihn ganz fest, und obwohl ich weiß, das er nur eine Woche später nach Deutschland kommt, ist es nicht weniger schmerzvoll ihn gehen zu lassen und zu wissen das ich morgen nicht neben ihm aufwachen werde. Mir steigen die Tränen in die Augen und ich versuche mit aller macht alle Eindrücke in mich aufzunehmen und in meinem Gehirn abzuspeichern. Seinen Geruch, seine Hände, das Gefühl wenn ich ihn umarme. Und ich wünschte ich könnte das Gefühl wie ein Video Abspielen wann immer ich es brauche. Dann drehe ich mich um und gehe zum blöden Security Check. Meinen Pass kann ich in meiner Tasche nurnoch ertasten, weil meine Augen voller Tränen sind. Wie können zwei Wochen nur so schnell vergehen? Ich bin doch gerade erst hier angekommen. Ich reiße mich zusammen und mache mir bewusst wie glücklich ich doch bin. Trotz allem, und trotzdem das eine Fernbeziehung nicht einfach ist. Jetzt gerade haben wir ein tief in der Achterbahn, aber alles ab jetzt, ist wieder der Weg nach oben, bis wir wieder soweit sind. Bereit für den nächsten Adrenalinschub, wenn es von ganz oben runter und in die nächste Kurve geht, die uns die geliebten Schmetterlinge im Bauch verursacht und wir kreischen vor Glück.

Lest hier den ersten Teil meiner Trinidad Reise Trinidad Teil 1 – von Hurricanes und der fast gescheiterten Wiedervereinigung von Hulk und seiner Betty 

Eure

melissapurple

Trinidad Teil 1 – von Hurricanes und der fast gescheiterten Wiedervereinigung von Hulk und seiner Betty 

Am 16. September sollte es endlich wieder soweit sein. Kevon und ich hätten eine Pause von der Entfernung und könnten endlich wieder quality time zusammen verbringen. Ungefähr zwei Wochen vorher kündigte sich etwas an, was man wohl höhere Gewalt nennt: hurricane Irma. Steuerte unter anderem auf Florida zu. Ich würde nach Miami fliegen und von dort aus weiter nach Trinidad. Eine Woche vor meiner Reise schloss der Flughafen in Miami. In Florida herrschte Ausnahmezustand. Mal ganz abgesehen von der Sorge um meine Familie, die in Miami lebt, war ich regelrecht panisch. Ich bin eine Pessimistin. Ich bereite mich immer auf das worst case Szenario vor. Also war ich Schonmal davon überzeugt, dass ich nicht würde fliegen können. Kevon ist das Gegenteil davon. Er versuchte mich zu beruhigen und war zuversichtlich das alles wie geplant klappen würde. Er schaute jeden Tag CNN und verkündete mir dann täglich, es würde Miami nicht so hart treffen wie angenommen und der Flughafen hätte bis zum 16.09 mit Sicherheit seinen normalen Betrieb wieder aufgenommen. Typisch er. Ich lasse mich von Gefühlen leiten, er guckt lieber CNN und bewahrt die Ruhe. Und er hatte recht. Nach einer guten Woche war alles überstanden, meiner Familie ging es gut, ich konnte fliegen.

Voller Elan fing ich am Wochenende vorher an, meine Koffer zu packen. Das war eine Woche vorher. So mache ich das immer. Da ich viel Stress im Büro Hatte war das auch eine sehr gute Idee. Von Montag bis Freitag in der Woche darauf hatte ich es gerade mal geschafft, schlaftrunken nach der Arbeit meine flip flops in den Koffer zu legen, für mehr fehlte mir die Energie. Überstunden waren an der Tagesordnung und ich hatte keine Zeit, mich mental auf meine Reise vorzubereiten. Eigentlich funktionierte ich nur und fieberte dem Tag meiner Abreise entgegen.

Irgendwann in dieser Woche saß ich nach der Arbeit im Auto auf dem Heimweg und Schaltete die Nachrichten ein. Airberlin hatte wegen mehrerer gleichzeitiger Krankmeldungen der Piloten hunderte Flüge streichen müssen. Wie bitte ?! Meine Hand griff sofort nach meinem Handy. Nervös sprach ich eine Nachricht an meinen Freund auf: ” babe guess what the hell I just heard…”

Und wieder stand meine Reise auf der Kippe. Ich hatte echt die Schnauze voll von dieser permanenten Ungewissheit. Ich war gestresst. Wusste nichtmal ob ich überhaupt meinen Koffer zu Ende packen sollte.

Für mich und meinen Freund hängt an diesen Reisen nicht nur ein normaler Urlaub. Diese Besuche sind das, wofür wir leben. Worauf wir hinfiebern, sie stehen für die Zeiten, in denen man als Paar wieder Kraft tanken kann, wichtige Batterien aufladen kann, für die nächsten Monate in denen man wieder getrennt ist. Jeder der eine Fernbeziehung führt, weiß wovon ich spreche.

Nach drei Tagen gab es Entwarnung und die Piloten kamen zurück zur Arbeit. Ich wusste also quasi zwei Tage vorher endlich, dass ich wahrscheinlich fliegen würde.

Alles war hektisch, von außen sah es nicht so aus, aber in meinem Kopf herrschte Chaos. Als ich irgendwie dann endlich am Flughafen stand, Ticket in der Hand und bereit zum boarden, ging eine Flughafen Mitarbeiterin durch die Reihen und rief ganz gelassen und routiniert: “Flüge nach Los Angeles und Fort Myers? Dabei schaute sie die Leute einen nach dem anderen fragend an. Ihre Flüge wurden gestrichen, bitte holen Sie ihr Gepäck wieder am Eingang ab.” Das war ja wohl ein schlechter Witz!

Wusste sie denn nicht, was für manche Leute an diesen Flügen hängt? Beziehungen, ein Vater der sein Kind sehen will, Familienvereinigungen. So unfair. Aber ich wusste natürlich, dass diese Frau nur ihren Job tat. Mit großen Augen schaute ich den Menschen zu, die sich enttäuscht auf den Weg zurück machten und stieß ein kurzes Stoßgebet aus, dass es mich nicht treffen würde.

Als ich endlich im Flugzeug saß, konnte ich mich zum ersten Mal darüber freuen und realisieren, dass ich meinen Freund bald umarmen konnte. Ich schoss dieses Foto von mir und dachte nur: oh Mann, du siehst ja richtig fertig aus! Ich schickte es meinem Freund mit der Nachricht, dass ich es kaum erwarten könnte ihn endlich zu sehen, und dass er recht hatte mit allem, man müsse immer positiv denken.

Der Flug war der beste Flug den ich je hatte. Ich konnte viel schlafen, habe eine unglaubliche Ruhe und Vorfreude empfunden und war einfach nur glücklich. Zum ersten Mal seit Wochen.

Wie es weiterging und was ich in Trinidad erlebt habe, erzähle ich euch hier: Trinidad Teil 2 – von Salsa, Haien, Doubles und einer turbulenten Achterbahnfahrt