Real talk – Body shaming

„Du, darf ich dich mal was fragen? Und das ist jetzt überhaupt nicht böse gemeint: warum bist du eigentlich so klein? Ist das eine Krankheit?“

Tausend mal gehört, und tausend mal gedacht: wer gibt dir eigentlich das Recht, das Aussehen eines anderen Menschen so an den Pranger zu stellen?

Drehen wir das ganze doch mal um: „warum bist du eigentlich so groß? Ist das normal?“

„Du hast aber eine riesengroße Nase, ist das normal?“

„Du, das ist echt nicht böse gemeint, aber du hast echt total die weiße Haut, ist das eine Krankheit?“

Wäre es nicht total komisch, wenn ich jemanden so etwas fragen würde? Was würde er mir wohl darauf antworten? „Hm, ich bin einfach so geboren“, vielleicht ? Denn das ist genau das, was ich jedes Mal denke. Ich bin eine Deutsch- Haitianerin die es garnicht anders kennt: ich kenne aus Deutschland viele große, schlanke und weiße Menschen, und aus Haiti viele eher kleine und kurvige Frauen, und unter anderem viele dunkelhäutige Menschen. Zwei unterschiedliche Kulturen. Beide wunderschön. Ich bin damit aufgewachsen, unterschiedliche Kulturen hautnah zu erleben und jede einzelne als völlig normal zu empfinden. In meinem Kindergarten gab es zu 90% deutsche Kinder. Alle weiss. Und auf Haiti habe ich mir in den Sommerferien von meiner schwarzen Nanny die Haare zu Rastas Flechten lassen. Ich bin damit aufgewachsen zu sehen, dass es ganz viele unterschiedlich aussehende Menschen gibt (von den unterschiedlichen Kulturen mal ganz zu schweigen. Aber das ist ein Thema für einen anderen Blog Post) und das fand ich nie „komisch“.

Was vielen Menschen nicht bewusst ist: heutzutage gibt es ein Wort für dieses Verhalten und draufzeigen auf vermeintliche äußerliche Makel: Body shaming.

Körper und Äußerlichkeiten werden beurteilt, hinterfragt, bewertet und an den Pranger gestellt. Zu kleiner Po, zu großer Po, zu wenig Brust, Zuviel Brust, zu kurvig, zu schlank, zu dunkel, zu hell. Bewertet wird oftmals nach dem eigenen Geschmack und der eigenen Vorliebe. Oder aber auch nach dem Schönheitsideal was uns in den Medien und Zeitschriften vorgelebt wird. Entsprichst du einem bestimmten Bild nicht, wird “gebodyshamed”. Du wirst sogar gefragt, ob du eine Krankheit hast. Excuse me??!

Lass mich mal was klarstellen: wer dein Aussehen auf diese Art bewertet – für „gut“ oder „schlecht“ , „schön“ oder „hässlich“ befindet, oder dir auch nur eine Sekunde lang das Gefühl gibt, nicht „normal“ zu sein, weil du „anders“ aussiehst oder ein bestimmtes Schönheitsideal nicht erfüllst, hat leider nie gelernt über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen.

Es gibt so viele verschiedenen Kulturen, so viele verschiedene Menschen und Vorlieben auf dieser großen und wunderschönen, bunten Welt. In Europa mag man Frauen schlank und groß, in Südamerika muss eine Frau ordentlich Kurven haben, um als Attraktiv zu gelten. Eine braun gebrannte Haut kann ebenso schön aussehen wie eine schneeweiße. Schneewittchen und Pocahontas. Zwei Disney Prinzessinnen, die beide auf ihre einzigartige Art und weise wunderschön sind.

Am Ende ist doch jeder genau so gut, wie er ist. Und das einzige was zählt, ist das man selber in den Spiegel sehen kann und sagen kann: ich bin schön! Genauso wie ich bin. Ich fühle mich wohl und das strahle ich auch aus.

Versteckt euch nicht. Zieht an was ihr schön findet, kauft das Kleid! tragt die kurze Hose im Sommer, anstatt zu schwitzen und euch zu quälen aus Angst, man könnte euch schief angucken weil ihr denkt, ihr seid nicht perfekt! Zieht den Bikini an, den ihr seit Jahren im Schrank habt aber nie anzieht, weil ihr denkt eure Figur ist nicht “passend” dafür. Jeder ist perfekt so wie er ist. Ich ziehe genau das an was mir gefällt. Gefällt es jemandem nicht? Dann kann er doch gerne wegschauen. Ich muss und möchte nicht jedem gefallen. Das einzige was für mich zählt ist das ich mich selber lieben kann. Und das tue ich. Ich liebe meinen Körper, jeden einzelnen Muttermal, jede einzelne Narbe, meinen Körperbau, jedes bisschen Cellulitis an meinen Oberschenkeln und ja, auch meine Größe. Weil es mich einzigartig macht.

Mit meiner Geburt hier auf dieser Erde habe ich das Recht erworben, zu wissen – und wirklich zu verstehen, fest davon überzeugt zu sein – das ich etwas besonderes bin. Es ist mein Recht, mich schön zu finden. Genauso wie ich bin. Jeder einzelne Mensch auf dieser Erde, ist etwas besonderes. Auch du. Und du bist wunderschön. Du musst es nur verstehen. Und tief in dir drin wirklich glauben.

Wenn du jetzt das Wort arrogant im Kopf hast, dann fang nochmal von vorne an. Lies genau. Mach ein paar Reisen, schau dir andere Kulturen an, andere Menschen, andere Schönheitsideale als diejenigen die du in deiner kleinen Welt kennen gelernt hast.

Es gibt Menschen die mich als arrogant bezeichnen würden. Warum? Weil ich mich selbst liebe? Der Unterschied zwischen arrogant und selbstbewusst ist der, das ich nicht sage ich bin DIE schönste, beste, tollste. Aber ich bin GENAUSO schön, toll und liebenswert wie andere auch.

Jeder Mensch ist ein Wunder und somit wunderschön. Egal wie er aussieht. Egal wie klein oder groß oder dick oder dünn. Wenn die Menschen doch bloß halb soviel Zeit darauf verwenden würden, das Innere eines Menschen zu Bewerten und zu hinterfragen, wie sie es tun um das Aussehen zu beurteilen, dann wäre unsere Welt schon ein klein wenig besser.

Arbeitet an eurem Inneren, daran wie ihr euch gebt. Das ist wirklich entscheidend wenn es um schön oder hässlich geht.

Ich bereue jede Sekunde die ich als Kind geweint habe und gedacht habe, ich wäre nicht normal weil mich andere Kinder gefragt haben warum ich so klein bin. Jede Sekunde in der ich mir gewünscht habe längere Beine zu haben oder größer zu sein. Was für eine Zeitverschwendung. Kostbare Zeit, in der ich mich einfach hätte selbst lieben können. Denn das ist das einzige was zählt, das einzige, was wirklich Glücklich macht. Diese Zweifel sind mit dem Erwachsen werden genauso verschwunden wie die fucks die ich auf anderer Leute Meinung gebe. Zero fucks to be exact.

Ihr meint es nie böse, aber denkt einmal mehr darüber nach, was ihr in Menschen auslöst, wenn ihr deren Äußeres bewertet.

Und vergesst nicht, das ihr wunderschön seid. Wenn ihr das ausstrahlt, seid ihr unschlagbar. Und dann bleibt auch garnicht mehr soviel Zeit, das Aussehen anderer Menschen zu bewerten und zu hinterfragen.

Trinidad Teil 2 – von Salsa, Haien, Doubles und einer turbulenten Achterbahnfahrt

Call on me and I’ll be there for you, and you’ll be there for me. Forever it’s you, forever in me, ever the same.

Rob Thomas – ever the same. Dieses Lied spielt im Radio als kevon und ich schweigend im Auto auf dem Weg zum Flughafen sitzen. Ich starre in den blauen Himmel, die Sonne geht gerade auf denn es ist noch sehr früh am Morgen. Als ich realisiere wie gut der Song gerade passt muss ich fast laut lachen über die Ironie. Stattdessen grinse ich in mich hinein und rolle innerlich die Augen, das geht an dich, Universum. Du hattest dir also für diesen Tag auch noch einen Soundtrack ausgedacht. Toll. Nun gut, soll mir recht sein. Ich Mags eh wie im Liebesfilm. Du kennst mich halt zu gut.

Immer wenn ich mich von meinem Freund verabschieden muss, werd ich ganz still. Was soll ich schon groß sagen. Ich bin traurig. Stattdessen starre ich nur in die Ferne. Mein Freund macht das selbe. Zwischendurch legt er seine Hand auf mein Knie. Wie zum Trost, eine schöne Geste. Und mehr brauche ich in dem Moment auch garnicht. Und so sitzen wir schweigend nebeneinander im Auto. Während mich der Songtext aus Rob Thomas’ ever the same zum Schmunzeln bringt und mir gleichzeitig Tränen in die Augen treibt.

Aber zurück zu vor zwei Wochen. Als Kevon und ich noch zwei wunderschöne Wochen vor uns hatten und ich an Tag eins meine Augen im Bett Aufschlage. Ok ein Auge. Es war eins. Ich musste mich erstmal orientieren.

Kevon knöpft gerade sein Hemd zu, steht vorm Spiegel und greift nach seiner Uhr. Wie er aufgestanden und duschen gegangen ist hatte ich wohl verpasst. Ich beobachte wie er sich Anzieht, jedes Teil einzeln. Wie er seine Krawatte bindet und gerade rückt. Als letztes greift er immer nach seinem Parfüm, sprüht sich ein, fährt sich mit einem kritischen Blick über den Bart, schaut sich nochmal im Zimmer um und denkt offensichtlich darüber nach, ob er noch irgendwas vergessen hat. Ich mache schnell meine Augen zu, weil ich weiß was als nächstes kommt. Er kommt zum Bett rüber, beugt sich zu mir runter und sein unheimlich toller Duft steigt mir in die Nase. Er drückt seine Lippen auf meine, ich mache wieder ein Auge auf und küsse ihn. Er sagt: “gonna leave now baby, I love you”. Als er sich zurück ziehen will Schlinge ich nochmal schnell meinen Arm um seinen Hals, um ihn etwas länger bei mir zu halten, und er umarmt mich. Dann verlässt er das Zimmer und ich schlafe seelisch grinsend wieder ein. So machen wir das die nächsten 14 Tage. Jeden Morgen. Und jeden Morgen beobachte ich ihn dabei wie er sich anzieht. Außer an den Wochenenden, da bleibt er neben mir liegen.

In den folgenden Tagen darauf, wenn Kevon bei der Arbeit angekommen ist, schreiben wir. Genauso wie sonst auch. Wenn ich in Deutschland bin und er in Trinidad und uns 8000 Kilometer trennen. Mit dem einzigen Unterschied das er nachmittags zu mir nach Hause zurück kommt und ich ihn in Fleisch und Blut begrüßen darf. Wir planen unsere Tage. Er schreibt mir, was er für den Tag geplant hat, was ich davon halte, ob ich Lust habe und ob mir die Idee gefällt. Alles gefällt mir. Die Tage vergehen und wir füllen Sie mit Erinnerungen, gemeinsamer kostbarer Zeit und viel viel Spaß. Sowas wie Alltag. Einfach alles macht Spaß, sogar einkaufen gehen:

Salsa und bachata:

Jeden Mittwoch geht kevon zum Salsa und Bachata tanzen. ich war total aufgeregt. Er hat viele Freunde dort, hoffentlich blamiere ich mich nicht hab ich nur gedacht. Ich hatte ja noch nie Salsa getanzt. Außer in meinem Wohnzimmer, da hatte er mir die Basics gezeigt und wir haben zu tausenden von Salsa Songs getanzt. In Unterwäsche. und mit Wein hatte ich mir vorher Mut angetrunken. Das hatte Spaß gemacht. Diesmal hatte ich aber high heels and und würde vor sehr vielen Menschen tanzen müssen. Nach dem Kurs kann ich sagen Bachata gefällt mir besser. Das ist sinnlicher und erinnert mich mehr an kompa, das was wir auf haiti tanzen. Ich gehe also mit ihm dahin und oh man war ich stolz, als ich dann am Ende die kleine erlernte Choreografie einwandfrei mit ihm getanzt hatte. Ein check mehr auf meiner bucket list, ich wollte schon immer Latein Tanzen lernen. Ein wirklich toller Abend. Den Mittwoch darauf sind wir wieder hin. Und ich würde immer wieder mitkommen wenn ich dort bin.

Doubles:

Doubles ist eine traditionell trinidische Spezialität. Was zu essen. Ja genau haha. Ein imbiss sozusagen. Das sind zwei kleine Mini Fladenbrote auf die eine Erbsenpampe mit ganz viel Curry geschlagen wird und dann wird das ganze zusammen gerollt und in ein Papierchen gewickelt und wie man das dann essen soll wusste ich auch nicht. Das kauft man auf der Straße. Zum Beispiel wenn man gerade bis 1 Uhr nachts Salsa tanzen war und einen Bären Hunger hat. So auf dem Weg nach Hause. Essen von der Straße ? Street food? Ich? Ähm… erstmal genau hinterfragen wer das gekocht hat und was da genau drin ist. Wir halten also mitten auf der Straße an und ich entdecke einen kleinen mobilen Imbissstand mit einem farbigen einheimischen dahinter, der unter einem Plastik Schirm steht, der über das mobile Ständchen gespannt ist. Ich greife nach Kevons Hand, der zielstrebig auf den Stand zugeht. Die beiden reden irgendwas und ich werde was gefragt was ich nicht verstehe, ich mache nur große Augen und sage: ähhhhh. Da knallt der Typ schon die pampe auf die Fladenbrote und dreht das Ding in Windeseile mit einer Technik in Papier ein. Die Frage war wohl ob ich scharf wollte. Mein Freund hatte schon geantwortet. Wollte ich nicht. Der Typ macht nun also die doubles für Kevon und Knallt die Pampe mit geübten griffen auf die Brote und ich steh nur da mit offenem Mund und großen Augen und überlege wie schlimm ich es jetzt fände, wenn ich heute Nacht kotzen würde weil ich mir den Magen an Street Food in Trinidad verdorben hatte. Vielleicht konnte ich das Ding ja unbemerkt loswerden. Ausm Fenster schmeißen oder so. Der Typ ist fertig mit Pampe klatschen und drückt mir eine heisse Tüte in die Hand. Ich löse meine Hand wiederwillig von der meines Freundes und nehme die Tüte. Erst da bemerke ich das neben mir ein Auto parkt dessen Tür in dem Moment aufgeht und ein junger weiterer einheimischer Kerl aussteigt. Mein Freund dreht sich um und zückt seine Geldbörse. Er drückt dem Typ Scheine ihn die Hand und er steigt wieder ins Auto ein. Ich steh nur daneben und denk mir: scheisse. Haben die grade gedealt oder was? Wehe der Typ hat mir was untergejubelt (Hat er natürlich nicht. Ich habe halt eine blühende Fantasie und bin von Natur aus skeptisch) Ich Wiederstehe kurz dem Drang die Tüte fallen zu lassen und Dackel meinem Freund brav zum Auto zurück hinterher. Auf high heels ziemlich schwer und holprig, ich tippel also etwas schneller und spüre meinen Magen grummeln. Zurück im Auto liegt die heiße Tüte auf meinem Schoß. Wir machen uns auf den Weg nach Hause. Nach ein paar Minuten guckt Kevon mich erwartungsvoll an. ” go ahead babe!” Ich mach grosse Augen und sage ” are you SURE I can eat this ??” Er lacht und antwortet: “I’m positive!” . Ich greife also widerwillig in die heiße Tüte und hole so ein Double da raus. Scheiss drauf, sei doch mal richtig krass und ess Street Food. Sei nicht so ein schisser, sag ich mir. Ein paar Minuten später hab ich die Mundwinkel voll mit Erbsen Curry Pampe und meine Finger auch, und bereue es das ich nicht zwei genommen habe.

Bake and shark:

Eine weitere trinidadische Spezialität ist bake and Shark. Das bekommt man am Strand und ist hai. Richtig gehört. Gebackenes Haifleisch. In allen Formen. Mit Pommes. Oder als Brötchen mit Salat dazu. Ich ess doch wohl kein hai! Hab ich am Ende doch. Genau wie die doubles. Normalerweise bin ich ein Hähnchen Liebhaber. Ich liebe Hähnchen und Lachs. Das kenn ich, da beweg ich mich in bekannten Gewässern. Buchstäblich! Ha! Aber Hai? Ich war sehr skeptisch. Kevon hat mir dann am Strand Pommes und bake and shark geholt. Ich hab dann erstmal ganz vorsichtig ein kleines Stückchen abgebissen und mich langsam rangetastet. Und was soll ich sagen: es schmeckt Bombe! Es schmeckt nicht ein bisschen nach Fisch sondern ganz zart und eigentlich eher wie Hähnchen oder so. Ich konnte nicht genug davon bekommen.

Ich könnte noch soviele andere Dinge erzählen die wir gemacht haben während unserer Zeit in Trinidad, aber ich wollte euch in diesem blogpost insbesondere einmal ein paar typisch trinidadische Dinge näher bringen und meine Erfahrungen mit euch teilen.

Trinidad ist eine tolle Insel mit sehr viel Charme und auch die Menschen dort sind mir bisher immer sehr positiv und Freundlich begegnet.

Und jetzt sehe ich den Flughafen und weiß das ich gleich aus dem Auto aussteigen muss. Mein Freund holt uns unseren Lieblings moccachino und wir setzen uns hin. Als es Zeit ist für mich zu gehen umarme ich ihn ganz fest, und obwohl ich weiß, das er nur eine Woche später nach Deutschland kommt, ist es nicht weniger schmerzvoll ihn gehen zu lassen und zu wissen das ich morgen nicht neben ihm aufwachen werde. Mir steigen die Tränen in die Augen und ich versuche mit aller macht alle Eindrücke in mich aufzunehmen und in meinem Gehirn abzuspeichern. Seinen Geruch, seine Hände, das Gefühl wenn ich ihn umarme. Und ich wünschte ich könnte das Gefühl wie ein Video Abspielen wann immer ich es brauche. Dann drehe ich mich um und gehe zum blöden Security Check. Meinen Pass kann ich in meiner Tasche nurnoch ertasten, weil meine Augen voller Tränen sind. Wie können zwei Wochen nur so schnell vergehen? Ich bin doch gerade erst hier angekommen. Ich reiße mich zusammen und mache mir bewusst wie glücklich ich doch bin. Trotz allem, und trotzdem das eine Fernbeziehung nicht einfach ist. Jetzt gerade haben wir ein tief in der Achterbahn, aber alles ab jetzt, ist wieder der Weg nach oben, bis wir wieder soweit sind. Bereit für den nächsten Adrenalinschub, wenn es von ganz oben runter und in die nächste Kurve geht, die uns die geliebten Schmetterlinge im Bauch verursacht und wir kreischen vor Glück.

Lest hier den ersten Teil meiner Trinidad Reise Trinidad Teil 1 – von Hurricanes und der fast gescheiterten Wiedervereinigung von Hulk und seiner Betty 

Eure

melissapurple

Trinidad Teil 1 – von Hurricanes und der fast gescheiterten Wiedervereinigung von Hulk und seiner Betty 

Am 16. September sollte es endlich wieder soweit sein. Kevon und ich hätten eine Pause von der Entfernung und könnten endlich wieder quality time zusammen verbringen. Ungefähr zwei Wochen vorher kündigte sich etwas an, was man wohl höhere Gewalt nennt: hurricane Irma. Steuerte unter anderem auf Florida zu. Ich würde nach Miami fliegen und von dort aus weiter nach Trinidad. Eine Woche vor meiner Reise schloss der Flughafen in Miami. In Florida herrschte Ausnahmezustand. Mal ganz abgesehen von der Sorge um meine Familie, die in Miami lebt, war ich regelrecht panisch. Ich bin eine Pessimistin. Ich bereite mich immer auf das worst case Szenario vor. Also war ich Schonmal davon überzeugt, dass ich nicht würde fliegen können. Kevon ist das Gegenteil davon. Er versuchte mich zu beruhigen und war zuversichtlich das alles wie geplant klappen würde. Er schaute jeden Tag CNN und verkündete mir dann täglich, es würde Miami nicht so hart treffen wie angenommen und der Flughafen hätte bis zum 16.09 mit Sicherheit seinen normalen Betrieb wieder aufgenommen. Typisch er. Ich lasse mich von Gefühlen leiten, er guckt lieber CNN und bewahrt die Ruhe. Und er hatte recht. Nach einer guten Woche war alles überstanden, meiner Familie ging es gut, ich konnte fliegen.

Voller Elan fing ich am Wochenende vorher an, meine Koffer zu packen. Das war eine Woche vorher. So mache ich das immer. Da ich viel Stress im Büro Hatte war das auch eine sehr gute Idee. Von Montag bis Freitag in der Woche darauf hatte ich es gerade mal geschafft, schlaftrunken nach der Arbeit meine flip flops in den Koffer zu legen, für mehr fehlte mir die Energie. Überstunden waren an der Tagesordnung und ich hatte keine Zeit, mich mental auf meine Reise vorzubereiten. Eigentlich funktionierte ich nur und fieberte dem Tag meiner Abreise entgegen.

Irgendwann in dieser Woche saß ich nach der Arbeit im Auto auf dem Heimweg und Schaltete die Nachrichten ein. Airberlin hatte wegen mehrerer gleichzeitiger Krankmeldungen der Piloten hunderte Flüge streichen müssen. Wie bitte ?! Meine Hand griff sofort nach meinem Handy. Nervös sprach ich eine Nachricht an meinen Freund auf: ” babe guess what the hell I just heard…”

Und wieder stand meine Reise auf der Kippe. Ich hatte echt die Schnauze voll von dieser permanenten Ungewissheit. Ich war gestresst. Wusste nichtmal ob ich überhaupt meinen Koffer zu Ende packen sollte.

Für mich und meinen Freund hängt an diesen Reisen nicht nur ein normaler Urlaub. Diese Besuche sind das, wofür wir leben. Worauf wir hinfiebern, sie stehen für die Zeiten, in denen man als Paar wieder Kraft tanken kann, wichtige Batterien aufladen kann, für die nächsten Monate in denen man wieder getrennt ist. Jeder der eine Fernbeziehung führt, weiß wovon ich spreche.

Nach drei Tagen gab es Entwarnung und die Piloten kamen zurück zur Arbeit. Ich wusste also quasi zwei Tage vorher endlich, dass ich wahrscheinlich fliegen würde.

Alles war hektisch, von außen sah es nicht so aus, aber in meinem Kopf herrschte Chaos. Als ich irgendwie dann endlich am Flughafen stand, Ticket in der Hand und bereit zum boarden, ging eine Flughafen Mitarbeiterin durch die Reihen und rief ganz gelassen und routiniert: “Flüge nach Los Angeles und Fort Myers? Dabei schaute sie die Leute einen nach dem anderen fragend an. Ihre Flüge wurden gestrichen, bitte holen Sie ihr Gepäck wieder am Eingang ab.” Das war ja wohl ein schlechter Witz!

Wusste sie denn nicht, was für manche Leute an diesen Flügen hängt? Beziehungen, ein Vater der sein Kind sehen will, Familienvereinigungen. So unfair. Aber ich wusste natürlich, dass diese Frau nur ihren Job tat. Mit großen Augen schaute ich den Menschen zu, die sich enttäuscht auf den Weg zurück machten und stieß ein kurzes Stoßgebet aus, dass es mich nicht treffen würde.

Als ich endlich im Flugzeug saß, konnte ich mich zum ersten Mal darüber freuen und realisieren, dass ich meinen Freund bald umarmen konnte. Ich schoss dieses Foto von mir und dachte nur: oh Mann, du siehst ja richtig fertig aus! Ich schickte es meinem Freund mit der Nachricht, dass ich es kaum erwarten könnte ihn endlich zu sehen, und dass er recht hatte mit allem, man müsse immer positiv denken.

Der Flug war der beste Flug den ich je hatte. Ich konnte viel schlafen, habe eine unglaubliche Ruhe und Vorfreude empfunden und war einfach nur glücklich. Zum ersten Mal seit Wochen.

Wie es weiterging und was ich in Trinidad erlebt habe, erzähle ich euch hier: Trinidad Teil 2 – von Salsa, Haien, Doubles und einer turbulenten Achterbahnfahrt

Berufung: Mama sein, und wenn das Universum dich warten lässt 

Mit spätestens 24 werde ich eine coole und junge Mama sein. Ich werde mein kleines Baby abends in meinem Arm in den Schlaf wiegen und es mit sanften Küssen auf die kleine Mini Nase bedecken. Natürlich eine kleine Prinzessin. Wie sollte es denn auch anders sein? Mein Mann wird uns verliebt zusehen und dazukommen, fehlt nurnoch der Ausblick aus den Panorama Fenstern unseres gemeinsamen Apartments in einer coolen Stadt wie Miami. Oder so. Dachte ich mit 16…

Eines Tages bin ich dann aufgewacht, 12 Jahre später, 28 Jahre alt und coole Tante eines kleines Mädchens namens Snow benannt nach dem berühmten Disney Film Snow White. Moment mal. Wo ist denn die Zeit hin? Irgendwas ist hier schief gelaufen. Wann hab ich denn den pinken Zug nach Wunderland verpasst, in dem alles so läuft, wie man es gerne hätte? Und wer hat mich denn gefragt, als das Leben sich gedacht hat, nein, so läuft das nicht? Ich war sauer. Frustriert. Ja, ich fühlte mich vom Leben regelrecht ungerecht behandelt. Und wo war überhaupt der Traumprinz, der mir am Strand einen Ring an den Finger steckte und aussah wie mein persönliches Supermodel? ( wie ich ihn dann trotzdem traf, ist ein ganz anderes Thema, das ich in einem anderen Blogbeitrag mit euch teilen werde)

Die Mutter meiner zuckersüßen Nichte Snow heißt Sarina und ist meine Zwillingschwester ( Life with Snow Blog). Unsere Eltern haben uns stets gleich behandelt. Bekam ich etwas, bekam meine Schwester das selbe und umgekehrt. Durch dick und dünn sind wir gegangen, und unsere Kinder, die würden natürlich möglichst am gleichen Tag geboren werden. Und jetzt bekam sie dieses Geschenk, und ich musste mich der Geduld üben. Am liebsten wollte ich wie ein kleines Kind schmollen gehen. Das meine Schwester die Creme de La Creme auf Erden verdient muss ich nicht erwähnen. Ich teile hier meine persönliche Journey und die Hochs und Tiefs, durch die ich gegangen bin und wie ich sie bewältigt habe.

Nun gut, das Leben hatte mich überrascht. Mir nicht genau das gegeben was ich wollte und immer dachte selbstverständlich zu bekommen. Und ich lernte eine harte Lektion: das Leben lässt sich nicht planen. Du erhältst dein Geschenk dann, wenn du bereit dafür bist. Wenn du deine Lektion gelernt hast, an deinem Weg gewachsen bist und dann dein Glück auch ordentlich zu schätzen weißt. Alles zu seiner Zeit.

Meine Schwester heiratete mit 25, bekam ein Jahr später eine wunderschöne kleine Tochter und jeden Tag wenn ich Facebook öffnete schien eine andere Freundin zu verkünden, das sie schwanger sei oder heiraten würde. Unterdessen stand ich am Rand, schaute zu wie sich das Karussell namens Leben drehte und ich war irgendwann rausgeschmissen worden, ohne es zu merken. So fühlte es sich zumindest an. Das Leben schien unfair zu sein. Ich war frustriert und traurig.

Ich erlebte eine gescheiterte Beziehung nach der anderen, jeder Prinz entpuppte sich nach kurzer Zeit als Arschloch, und eine gescheiterte Verlobung und viele Tränen später entschloss ich mich, mich auf mich zu konzentrieren und an mir zu arbeiten.

Ich hatte dieses Visionboard gebastelt, von welchem in der berühmten Dokumentation “the Secret” die Rede ist (absolute Empfehlung!) dort pinnt man alles hin, was man für die Zukunft visualisiert und einmal erreichen möchte. Manchmal wollte ich dieses Ding zerstören. Mal hatte ich Fantasien, es mit voller Wucht auf den Boden zu schlagen, mal wollte ich jedes Foto einzeln verbrennen. Hab ich nie gemacht. Gott sei dank. Das Board habe ich immernoch.

Ich bin noch nicht ganz am Ziel angekommen, aber dies sind die Dinge, die ich getan habe und an denen ich gearbeitet habe, um meinen Blickwinkel wieder in die richtige Richtung zu lenken, eine positivere Denkensweise anzunehmen und mein Leben genauso so zu lieben, wie es ist:

  • Wenn man traurig ist und sich auf die Unzufriedenheit fokussiert, verpasst man den Zauber des hier und jetzt. Ich versuche dankbar zu sein für alles was ich heute habe, um für die Zukunft ein besserer Mensch zu sein
  • Bücher lesen. Ich habe mir damals einige Bücher bei Amazon bestellt, die sich mit diesen oder ähnlichen Themen beschäftigen und aufzeigen, warum alles gut ist, wie es heute ist.
  • Das Positive sehen. Obwohl ich eine große Familie habe mit vielen Cousins und Cousinen, die alle Kinder bekommen haben (wie sollte es auch anders sein?!) war ich nie in täglichem Kontakt mit den kleinen, da meine Familie nicht hier wohnt. Babys waren totales Neuland für mich. Durch meine kleine Schneeflocke hab ich jetzt die Chance, mir vieles von meiner Schwester abzugucken, von ihren Erfahrungen zu lernen und an der kleinen zu üben, wie man Windeln wechselt (schon ein bisschen ekelig hihi, man gut, dass ich das nicht machen muss! Und schon wieder was positives gefunden!
  • Kein anderer ist wie du, und kein anderes Leben ist wie deins. Mein Weg und meine Reise ist meine, und das hat seine Gründe und ist auch gut so, das Universum hat sich schon was dabei gedacht. Womit wir beim nächsten Punkt wären…
  • … das Leben hat einen Plan für mich. Ich war noch nie so gut im Vertrauen. Aber ich lerne noch heute täglich, dem Leben zu vertrauen. God doesn’t plant a desire in your heart that he won’t fulfill one day
  • Darüber sprechen. Ich habe viele meiner Gefühle geteilt mit Vertrauenspersonen, die genau wissen , wie ich mich fühle und deren Meinung und Ratschläge einen riesigen Stellenwert für mich haben. Am meisten hat mir geholfen wenn einfach jemand da war der gesagt hat: ich verstehe dich. Das hat schon gereicht, um mich besser zu fühlen.
  • der Weg ist das Ziel

Ich habe das Glück das ich sehr sehr viel von meinem Freund gelernt habe (den ich irgendwann auf dem Weg kennenlernte) und er meiner Einstellung und Sichtweise in vielen Dingen einen neuen Blickwinkel verliehen hat. Und auch dafür bin ich sehr dankbar. Vorher hab ich gedacht ich müsste einen Mann kennenlernen, der mir endlich alle meine Träume erfüllt. Da wusste ich noch nicht, dass es viel wertvoller wäre, jemanden zu treffen der mir nicht an aller erster Stelle ein Baby macht und mir einen Ring an den Finger steckt ( obwohl ich natürlich trotzdem hoffe, dass das irgendwann passiert) sondern jemanden der in erster Linie mich verändert, und zwar zum besseren. Damit ich der Mensch sein kann, den meine zukünftigen Kinder verdient haben.

Und bis dahin, hab ich mich entschlossen wieder ins Karussell einzusteigen. Und die Fahrt zu genießen.

Habt ihr ähnliche Gefühle gehabt oder seid durch etwas ähnliches gegangen? Wie geht ihr mit einem (noch) unerfüllten Kinderwunsch um? Teilt es mir in den Kommentaren mit 🙂

Wenn der Partner bereits ein Kind hat 

Mein Freund hat einen Sohn. Wenn man sich vorher nie mit dem Gedanken beschäftigt hat, das man sozusagen eines Tages mal eine Stiefmama werden könnte, muss man diese Information erstmal verdauen. So war es zumindest bei mir. 

Bevor ich meinen Freund kannte, war für mich klar: ich möchte ungern eine Beziehung mit jemandem, der schon Kinder hat. Das hatte verschiedene Gründe: gemeinsam mit einem Partner Kinder zu zeugen, das bedeutet in meinem Kopf die pure Liebe zwischen zwei Menschen. Ein Kind bindet für immer aneinander. Ständig müsste ich mir die Frage stellen, liebt er die Mutter seines Kindes vielleicht noch? Entscheidet man sich einiges Tages, trotz aller Differenzen dazu, es noch einmal miteinander zu versuchen? Für das Kind? Bekanntlich meinen ja einige Menschen, man müsse zusammen sein als Mama und Papa, weil es für das Kind das beste ist. 

Aber noch viel schlimmer und warum ich das nie wollte: da wäre eine Frau die meinem Freund etwas gegeben hat, was er von mir nicht hat. Neues Leben, das Produkt der liebe, das größte Geschenk auf der Welt. Die Erfahrung schweißt zusammen. Der Tag an dem du zum ersten Mal Mama / Papa wirst. Die Reise dahin. Die Liebe zu dem Kind. Wenn ich mit meinem Freund eines Tages Kinder bekomme, hätte er es schon einmal erlebt. Er hätte das Geschenk bereits einmal erhalten. Er weiß wie man ein Papa ist, er hat diese Erfahrung bereits mit einer anderen Frau geteilt. Nein, so etwas wollte ich nicht. Ich wollte die einzige und erste Frau sein, die das mit meinem Freund teilt, wenn es soweit wäre. Das war meine Einstellung wenn man mich, bevor ich meinen Freund kannte, gefragt hätte, was ich zu dem Thema denke. 

Damals hätte ich mir noch nicht vorstellen können, dass jemand so offen damit umgeht, dass ich sehr gut damit klarkommen würde. Der Sohn meines Freundes ist 7 Jahre alt. Und sein ein und alles. Warum ich damit umgehen kann und von Anfang an kein Problem damit hatte? Wegen der Art und Weise, wie mein Freund damit umgeht. Er und ich reden sehr viel. Wir diskutieren alles aus, wir versuchen den anderen immer zu verstehen. Von Anfang an war er sehr offen und transparent mit dem Thema. Und das wichtigste, er hat nie ein Geheimnis daraus gemacht wie er und die Mutter seines Kindes miteinander umgehen, was sie für Ein Verhältnis haben und wie sie als Eltern funktionieren. 

Wir haben auch bis heute nie aufgehört darüber zu sprechen. Wir reden ständig darüber. Selbstverständlich ist sein Sohn ein fester Bestandteil seines täglichen Lebens und somit auch meines. 

Wenn mir diesbezüglich etwas auf der Seele liegt, sprechen wir darüber, wenn ich Fragen habe, sprechen wir darüber. Und es gibt nichts, was unbeantwortet bleibt oder wo mich mein Freund nicht mit einbezieht. Aber auch die Liebe und das Verständnis, das wir uns entgegenbringen trägt einen großen Teil dazu bei. 

Ja ich Hatte sehr viele Fragen, besonders am Anfang. Und ja ich hatte Bedenken, aber mein Freund hat mir das alles abgenommen und tut es noch, jeden Tag. 

Auf dieser Reise mit ihm habe ich besonders eines realisiert: ohne seine Vergangenheit, ohne seinen Sohn, ohne diese Erfahrung, wäre mein Freund nicht der Mann, der er heute ist. Der Fakt das er Vater ist, und alles was er sich entschieden hat für diesen kleinen Menschen zu tun, ist einer der größten Gründe warum ich ihn liebe und als Menschen schätze. 

Mein Freund hat mir von seiner Reise als Papa erzählt, natürlich. Und einer der vielen Dinge die ich nie vergessen werde waren die Worte: das Leben erfüllt einem nicht immer alle wünsche genauso, wie wir sie uns vorgestellt haben, manchmal bekommen wir Geschenke, aber anders verpackt, als wir es erwartet haben. Dennoch ist es ein Geschenk. Und da ist mir klar geworden, das nicht nur er sein Geschenk anders bekommen hat als erwartet, sondern auch ich. 

Wir werden noch einige challenges bewältigen müssen, mein Freund und ich. Aber ich habe keine Zweifel daran, das wir das meistern werden, wie alles andere auch.